die grüne Lunge des Weinviertels

Der Hollabrunner Wald ist der derzeit größte zusammenhängende Eichenwald
Österreichs und birgt zahlreiche Schätze aus der Tier- und Pflanzenwelt, die
entdeckt werden wollen.

Schatztruhe vor unserer Haustüre

Text: DI Manuel Denner
und Mag. Arno Klien, September 2009

 

Gartenrotschwanz

Gartenrotschwanz
(c) Christoph Roland

Trotz der Nähe zum Großraum Wien und seiner Bedeutung ist der Wissensstand über diverse Tierarten, aber auch über die Pflanzewelt im Hollabrunner Wald erstaunlich gering. So ist es nicht verwunderlich, dass bei Exkursionen von Fachleuten in dieses Gebiet einige sehr erfreuliche Entdeckungen gemacht werden konnten, sensibilisiert etwa durch die traditionelle Vogelstimmenwanderung, heuer im Bereich Mariathal – Taubenkogelweg – Kleinstetteldorf.

Unter den Vögeln sind einige Sichtungen des sehr heimlich lebenden Wespenbussards gelungen, einem Zugvogel, der sich und seine Jungen hauptsächlich mit den Larven von Wespen und Hummeln versorgt. Auch der bunt gefiederte Bienenfresser kann im Durchzug beobachtet werden.

Weiters entdeckten aufmerksame Wanderer einer Gruppe des Naturschutzbund NÖ in Füllersdorf eine Brut des Gartenrotschwanz und somit das derzeit einzig bekannte Brutpaar im gesamten Weinviertel! Für das kommende Jahr sind nähere Untersuchungen geplant, wobei eine enge Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung gesucht wird. In Großmugl gilt die Aufmerksamkeit den Fledermäusen.

Mamuthbuchen in PorrauAls weniger erfreulich stellt sich die derzeitige Situation des Wiedehopf dar. Noch bis in die 1990er Jahre konnten im Hollabrunner und Ernstbrunner Wald regelmäßig Brutreviere festgestellt werden, nach einem dramatischen Bestandsrückgang sind aktuell jedoch nur noch – wenn überhaupt – vereinzelt Reviere besetzt. Diese Art, wie auch der Schwarzspecht, bewohnt alte Eichenbestände und kommt durch die vermehrte Bestandsumwandlung in Douglasienforste noch zusätzlich unter Druck.

der große Fuchs - Nymphalis polychloros

der große Fuchs
(Nymphalis polychloros)

Unter den Wald(-rand) bewohnenden Tagfalterarten konnten zwei sehr interessante Arten nachgewiesen werden. Der Große Fuchs gilt in Niederösterreich als stark gefährdet. Früher wesentlich häufiger auftretend, ist er in den letzten Jahrzehnten nahezu zu einer Rarität geworden. Ähnliches gilt für den Großen Schillerfalter, dessen Bestände leider vielerorts im Rückgang begriffen sind. Dafür verdichten sich die Anzeichen über das Vorkommen der Wildkatze.

Die im Mai und Juni akustisch recht auffällige Feldgrille ist im Umland des Hollabrunner Waldes noch regelmäßig anzutreffen. Von den Ackerrainen und Grünlandflächen her dringt sie bis in die Getreidefelder vor und verleiht den Frühsommerabenden ihre typische Klangkulisse. Die Gottesanbeterin wurde hier schon gesichtet.

An Reptilien kommt die Ringelnatter auch abseits von Gewässern vor, die sehr verdeckt lebende Schlingnatter wird als Bewohnerin von Lichtungen und Waldrändern wieder öfter erkannt.

Im Bereich der Botanik können vom aufmerksamen Beobachter einige Orchideenarten wie Frauenschuh, Waldhyazinthe und Bleiches Waldvögelein entdeckt werden, aber auch Diptam, Türkenbundlilien, und Tausendguldenkraut.

Als Naturrarität kann die etwa 180 Jahre alte Buchengruppe bei Porrau gelten.