Als Allianz-Partner der Kampagne „vielfaltLeben“ des Lebensministeriums zum Schutz der Biologischen Vielfalt veranstalteten die Freunde des Hollabrunner Waldes ein Symposium zum Thema Biodiversität.
Freitag, 28. Mai 2010
Dass Vielfaltleben kein leeres Schlagwort ist, wurde den Teilnehmern am Symposium das von den Freunden des Hollabunner Waldes organisiert wurde, bald klar: umfangreiches Informationsmaterial der Kampagne des Lebensministeriums und seiner Partner Naturschutzbund, WWF und BirdLife wurde ergänzt von jenem der Herpetologen, Kräuterakademie und der Stadtgemeinde Hollabrunn.
LA Marianne Lembacher war in Vertretung von LH Dr. Pröll erschienen und zeigte sich angetan von der Fülle des Gebotenen. BM Erwin Bernreiter wies in seiner Grußbotschaft auf die Thematik besonders in unserem Raum hin, wobei VizeBM Babinsky, STR Ganzberger und die Gemeinderäte Bock, Frank, Keck und Kolic ihr Interesse bekundeten. SchülerInnen vom Bundesgymnasium aus dem Wahlpflichfach Biologie mit ihrem Lehrer Prof. Zeugswetter konnten hier Erfahrungen sammeln.
Der Allianzenmanager Mag. Michael Zika bot eine aktuelle Einführung in die Problematik des Verschwindens von zahlreichen gefährdeten Arten aus Tier- und Pflanzenwelt. Dr. Franz Stürmer von der Weinviertler Kräuterakademie, ein profunder Kenner unseres Gebietes, spannte den Bogen rund um den Hollabrunner Wald und veranschaulichte die Kostbarkeiten bes. aus dem botanischen Bereich, von denen viele Arten auf der „Roten Liste“ der gefährdeten Arten stehen. Die bunte Palette reichte von den Orchideen Knabenkraut, Waldhyazinthe, Nestwurz bis zu Waldziest, Wald-Wachtelweizen und Schwarzen Germer, Türkenbund, Bunter Hohlzahn, Leinkraut, Diptam, Klappertopf, Odermenning...
Modellartig wurden dann aktuelle Projekte vorgestellt, wobei die Dorferneuerung von Breitenwaida sich um den Pankrazi-Hügel angenommen hat: auf einem Areal von 10x15 Meter finden sich 80 Arten, davon sind 5 extrem gefährdet. Außerdem machen Neophyten, also eingewanderte Fremdgewächse - wie vielfach die Robinie in den Wäldern, zu schaffen.
Ulrich Hüttmeir von der KFFÖ berichtete über Untersuchungen von Fledermäusen, von denen es 26 Arten in Österreich gibt, wobei 16 alleine in unserem Gebiet vorkommen. Durch Bestandsaufnahmen im Winter, Erforschung durch BAT-Corder und Fortführung der vor 15 Jahren begonnenen Feldforschung konnte heuer unter anderem wieder die stark gefährdete Bechstein-Fledermaus nachgewiesen werden. Unser Koordinator vor Ort ist Rudi Erdner aus Füllersdorf.
Arno Klien berichtete anschaulich über Reptilien, die im Hollabrunner Bezirk vorkommen, wie die Ringelnatter, Würfelnatter und Äskulap – die beiden letzteren im NP-Thaya. Sein Interesse gilt vor allem der Schling- oder Glattnatter. Sie wurde bei uns erst seit etwa 50 Jahren erkannt, und lebt sehr verdeckt, gut getarnt an Waldrändern, Böschungen und sonnigen Wiesen. Ihre Nahrung bilden Blindschleichen, junge Ringelnattern und Eidechsen. Leider wird sie oft mit der Kreuzotter verwechselt, weil ihre zeilenartige Rhomben-Zeichnung am Rücken bei ihrer Fortbewegung einem Zick-Zack-Band ähnelt. Sie ist eine schlanke, drehrunde Schlange mit dünn auslaufendem Schwanz. Jungtiere haben eine ziegelrote Bauchseite. Genaue Dokumentation erfolgt mittels google-earth bzw. A-Map und es wird ersucht um Mitteilung bei Sichtungen, möglichst mit Foto von Kopf und Schwanz.
Johannes Hill von der ÖGH wies auf den Amphibien-Schutz entlang der Straßen hin und auf den Erhalt von Biotopen und Feuchtwiesen.
Christian Friedl beschäftigt sich seit Jahren mit unserer Vogelwelt. Von den 120 bei uns vorkommenden Brutvogelarten gibt es 8 Spechtarten, wobei Grün-, Grau- und Schwarzspecht als Raritäten gelten. Turteltaube, Hohltaube, Halsbandschnepper, Pirol, Baumpieper und der seltene Gartenrotschwanz wurden in schönen Bildern gezeigt. Uferschwalben und Bienenfresser bauen ihre Bruthöhlen tief in Lehmwände hinein. Wespenbussard, Mäusebussard und Sperber runden das Bild ab, wobei Letzterem 71 Vogelarten als Beutetiere nachgewiesen werden konnten!
In den Workshops unter der Leitung von Rudolf Erdner, Franz Stürmer und Andreas Zeugswetter konnten Ideen und Anregungen erarbeitet und im Plenum präsentiert werden wie: Erhalt von alten Obst- und Gemüsesorten, Baumriesen, Altbäumen, Feuchtwiesen, Trockenrasen. Entbuschung durch Beweidung, Medienarbeit, Aufklärung, Neugier wecken...“Teich statt Pool“ in unseren Gärten, etc. Eindämmung der Erosion und des Bodenabtrags auf den Feldern durch Bearbeitung quer zur Falllinie, u.a.
Wein, Traubensaft und Brot aus dem Regionenshop boten Gelegenheit zu anregenden Gesprächen.
Der Info-Stand am Hollabrunner Wochenmarkt stellte den Praxisbezug her und war wieder sehr gut besucht.